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15.12.2014

2014-12-15

Mittelstand

Internationale Krisen erreichen den Mittelstand

Die Stimmung im Mittelstand hat sich deutlich verschlechtert. Dabei wird die aktuelle Geschäftslage von den Unternehmen nur leicht negativer eingeschätzt als im Frühjahr. Eingebrochen sind jedoch die Geschäftserwartungen, die nach einem Allzeit-Hoch im Frühjahr von 42,7 Punkten auf nur noch 14,4 Punkte gesunken sind. Die Ukraine-Krise und die damit einher gehenden Sanktionen gegen Russland dürften eine Ursache sein. Mehr als 28 Prozent der Mittelständler sind vom Ukraine-Konflikt betroffen, in der Agrarbranche sogar jedes zweite Unternehmen.

Auch wenn der Blick in die Zukunft deutlich eingetrübt ist, halten die Unternehmen an ihrer Personalplanung fest. Jedes fünfte befragte Unternehmen hat im vergangenen halben Jahr Mitarbeiter eingestellt. In den kommenden sechs Monaten wollen sogar fast 33 Prozent der Mittelständler ihren Personalbestand ausbauen.

Als weiterhin wichtig beurteilen die Mittelständler ihr Auslandsgeschäft. Trotz der nur langsamen Erholung in der Eurozone und der internationalen Krisen hat das Auslandsengagement der mittelständischen Unternehmen gegenüber dem Frühjahr nicht nachgelassen.

Insgesamt sind die mittelständischen Unternehmen weiter sehr gut kapitalisiert. Die Eigenkapitalquoten im Mittelstand sind nach der letzten Erhebung erneut gestiegen und erreichen 2013 ein Rekordniveau von durchschnittlich 27,8 Prozent.

Das ist das Ergebnis der aktuellen Studie „Mittelstand im Mittelpunkt“, in der die Ergebnisse der Mittelstandsanalysen und der Mittelstandsumfrage des Bundesverbandes der Deutschen Volksbanken und Raiffeisenbanken (BVR), der DZ BANK und der WGZ BANK zusammen ausgewertet wurden.

Geschäftslage verschlechtert sich leicht 
Die schwache wirtschaftliche Entwicklung im Sommerhalbjahr bekam auch der deutsche Mittelstand zu spüren. Die kleinen und mittleren Unternehmen bewerteten dementsprechend ihre aktuelle Lage zuletzt etwas schwächer als im Frühjahr. Mit einem Saldo aus positiven und negativen Einschätzungen von 68,4 Punkten liegt die Bewertung aber immer noch weit über dem langjährigen Durchschnittswert von 38 Punkten.

Gut 75 Prozent der 1.500 befragten Unternehmen beurteilen ihre Geschäftslage aktuell mit gut, rund 9 Prozent sogar mit sehr gut. Im Branchenvergleich schneiden die Unternehmen der Elektroindustrie gegen den allgemeinen Trend besser ab als im Frühjahr. Dort ist die Lageeinschätzung mit 81,6 Punkten so gut wie seit drei Jahren nicht mehr. Am schwächsten von allen betrachteten Wirtschaftszweigen fiel die Lageeinschätzung in der Agrarwirtschaft sowie im Metall-, Automobil- und Maschinenbau aus.

Geschäftserwartungen brechen ein – alle Branchen und Größenklassen betroffen
Vom deutlichen Rückgang der Geschäftserwartungen sind alle Größenklassen und Branchen gleichermaßen betroffen. Allerdings sind die mittleren und größeren Unternehmen optimistischer als die kleinen Unternehmen mit weniger als 20 Beschäftigten. Da in der Landwirtschaft der Anteil der kleinen Unternehmen besonders hoch ist, überrascht es nicht, dass hier der Saldo aus positiven und negativen Bewertungen mit 4,1 Punkten ins Negative rutscht. Am optimistischsten sind die Geschäftserwartungen in den inlandsorientierten Branchen Ernährungs- und Dienstleistungsgewerbe. „Insgesamt bleiben die Rahmenbedingungen für die deutsche Wirtschaft aber weiter positiv. Die anhaltend stabile Inlandsnachfrage und die niedrigen Zinsen bilden eine gute Grundlage. Erfreulich ist auch, dass die Finanzierungsbedingungen den Unternehmen am wenigsten Sorgen bereiten und dass das Geschäftsklima zu den Hausbanken auch in schwierigen Zeiten intakt ist, 43 Prozent der Unternehmen stellen hierfür die Note „sehr gut“ aus“, kommentiert Stefan Zeidler, Firmenkundenvorstand der DZ BANK, die Umfrageergebnisse.

Mittelstand hält trotz eingetrübter Stimmung an expansiver Personalplanung fest 
Ungeachtet der Stimmungseintrübung bleibt die Personalplanung der mittelständischen Unternehmen auf einem stabilen Niveau. Jedes dritte Unternehmen plant, in den nächsten sechs Monaten Personal einzustellen. Einzig die Agrarbranche plant keinen weiteren Personalaufbau. Uwe Berghaus, Firmenkundenvorstand der WGZ BANK: „Der Mittelstand bleibt eine stabile Säule für den deutschen Arbeitsmarkt. Ein Grund für die expansive Personalplanung dürfte der anhaltende Facharbeitermangel sein. Die Unternehmen sind nicht nur bestrebt, ihre eigenen Mitarbeiter zu halten, sondern weiterhin auf der Suche nach gut ausgebildeten Fachkräften.“

Das spiegelt sich auch in den aktuell genannten Problemfeldern der mittelständischen Unternehmen wider: Das Thema Fachkräftemangel steht mit 61,5 Prozent an der zweiten Stelle direkt nach der Bürokratie (67,3 Prozent). Während allerdings die Besorgnis der Unternehmen hinsichtlich der Bürokratie und insbesondere der Energiekosten gegenüber dem Frühjahr merklich gesunken ist, wurde der Facharbeitermangel im Verlauf der letzten Umfragen als zunehmendes Problem identifiziert.

Investitionsneigung sinkt erneut – Anhaltend geringer Finanzierungsbedarf im Mittelstand
Im Herbst 2014 ist die Investitionsneigung im Mittelstand zum zweiten Mal in Folge zurückgegangen. Weniger als drei Viertel der befragten mittelständischen Unternehmen planen in den nächsten sechs Monaten zu investieren. Viele Unternehmen sehen angesichts nur durchschnittlich ausgelasteter Kapazitäten keine Notwendigkeit, in eine Erweiterung ihres Maschinen- und Anlagenparks zu investieren. Die Unternehmen konzentrieren sich eher auf Erhaltungsinvestitionen. Dieses Ergebnis spiegelt die aktuelle Investitionsschwäche der deutschen Wirtschaft wider. In den exportorientierten Branchen, wie zum Beispiel in der Chemie- und Kunststoffindustrie, sind die Investitionsplanungen am höchsten. Den stärksten Rückgang bei der Investitionsbereitschaft gibt es in der Agrarwirtschaft. Dort plant nur noch gut jedes zweite Unternehmen (55 Prozent), in den nächsten sechs Monaten in seinen Betrieb zu investieren. Dass der Finanzierungsbedarf der mittelständischen Unternehmen mit 21 Prozent weiter gering ist, überrascht daher kaum. Das bevorzugte Finanzierungsinstrument bleibt der Bankkredit. An zweiter Stelle behauptet sich mit 55 Prozent die Innenfinanzierung.

Weiterer Preisanstieg erwartet
Die Absatz- und Verkaufspreise im Mittelstand sind in den vergangenen sechs Monaten nur leicht gestiegen. Nahezu ebenso viele mittelständische Unternehmen haben ihre Preise gesenkt wie erhöht. Die vorsichtig optimistischen Preiserwartungen vom Frühjahr ließen sich damit nicht im vollen Umfang bei den Kunden durchsetzen. Für die nächsten sechs Monate streben die Unternehmen aber wieder Preiserhöhungen an. 22 Prozent der befragten Unternehmen (Frühjahr 2014: 18 Prozent) planen, ihre Preise zu erhöhen. Mit den beabsichtigten Preissteigerungen soll der von knapp 37 Prozent der Unternehmen erwartete Kostenanstieg kompensiert werden. Stabile Rohölpreise auf einem vergleichsweise niedrigen Niveau dürften jedoch mit dafür sorgen, dass der Kostenanstieg moderat ausfällt.

Die mittelständischen Unternehmen halten an ihren Auslandsengagements fest
Das Auslandsengagement im Mittelstand etwa in Form von Export und Import, von Joint Ventures, von Produktion im Ausland oder von Kooperationen ist im Herbst im Vergleich zum Frühjahr erneut leicht von 56,7 Prozent auf 56,9 Prozent gestiegen. Erkennbar sind aber kleine Unterschiede zwischen Ost- und Westdeutschland: Während in Westdeutschland das Auslandsengagement der mittelständischen Unternehmen seit der Frühjahrsumfrage von 60 Prozent auf 61 Prozent angestiegen ist, ging es in Ostdeutschland von 46,9 Prozent auf 45,5 Prozent zurück. Dies könnte damit zusammenhängen, dass sich mehr ostdeutsche Mittelständler vom Ukraine-Konflikt „stark betroffen“ zeigen.

Bilanzqualität nach wie vor solide – Eigenkapitalquote erneut gestiegen
Die mittelständischen Unternehmen sind bestens kapitalisiert und damit in den letzten Jahren krisensicherer geworden. Dies zeigen die aktuellen Ergebnisse der VR Bilanzanalyse: Im Jahr 2013 konnte die Eigenkapitalquote der mittelständischen Unternehmen erneut deutlich zulegen und liegt jetzt auf einem Rekordniveau von 27,8 Prozent. "Die hohe Eigenkapitalquote ist Ausdruck der nachhaltigen wirtschaftlichen Stärke des deutschen Mittelstands, aber auch als Spiegelbild für die weiterhin verhaltene Investitionstätigkeit zu sehen“ erläutert BVR-Vorstandsmitglied Dr. Andreas Martin. "Hier ist nicht zuletzt die Wirtschaftspolitik gefordert, durch bessere Rahmenbedingungen ein günstigeres Klima für Investitionen zu schaffen“, so Martin weiter.

Neben der guten Kapitalausstattung der mittelständischen Unternehmen ist auch die anhaltend hohe Bilanzqualität hervorzuheben, sie tendiert auf hohem Niveau seitwärts. Zu der positiven Entwicklung des Bilanzqualitätsindexes trug in der Vergangenheit vor allem die Verbesserung der Eigenkapitalquote bei. So ist sie von 8 Prozent zu Beginn der 2000er Jahre kontinuierlich auf jetzt fast 28 Prozent gewachsen.

Zur Messung der Bilanzqualität wird ein Bilanzqualitätsindex ermittelt. Grundlage für den Index ist eine Auswertung der Jahresabschlussdaten von mittelständischen Firmenkunden der Volksbanken und Raiffeisenbanken. Der Index setzt sich zusammen aus der Eigenkapitalquote, der Gesamtkapitalrentabilität, dem Gesamtkapitalumschlag, der Liquidität 2. Grades und dem dynamischen Verschuldungsgrad. Insgesamt flossen in den Jahren 2001 bis 2013 rund 1,4 Millionen Jahresabschlüsse in die VR Bilanzanalyse ein.

Die Daten für die VR Mittelstandsumfrage wurden in der Zeit vom 11. September bis 3. November 2014 im Rahmen einer telefonischen Umfrage von der nhi2 AG, Bonn, erhoben. Die Stichprobe von 1.500 Unternehmen ist repräsentativ; befragt wurden Inhaber und Geschäftsführer mittelständischer Unternehmen in Deutschland. 

 


Bundesverband der deutschen Volksbanken und Raiffeisenbanken e.V. (BVR)
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