Sollte der Irankrieg mit erhöhten Unsicherheiten und Energiepreisen jedoch länger andauern, würde die erwartete Entspannung des Insolvenzgeschehens schwächer ausfallen. Im Falle nochmals steigender Energiepreise über einen langen Zeitraum könnten die Insolvenzzahlen 2026 sogar nochmals ansteigen und die Trendwende in diesem Jahr ausbleiben.
Impulse für eine Erholung der deutschen Konjunktur kommen von den deutlich steigenden staatlichen Zusatzausgaben für Verteidigung, Infrastruktur und Klimaschutz. Ebenfalls positiv auf das Wirtschaftswachstum wirkt auch die im Vorjahresvergleich höhere Zahl an Arbeitstagen. Im Basisszenario einer schnellen Rückkehr der Energiepreise zu ihrem Stand vor dem Irankrieg dürfte das Bruttoinlandsprodukt preisbereinigt um 1,0 Prozent zunehmen, nachdem es 2025 nur um 0,2 Prozent gewachsen war. Auch mittelfristig dürften die staatlichen Mehrausgaben die Konjunktur unterstützen. Diesen positiven Impulsen gegenüber stehen die geopolitischen Belastungen. Dazu zählt neben dem Irankrieg auch die US-Zollpolitik. Bei einem lang anhaltenden Irankrieg dürfte die Erholung der Wirtschaft schwächer und die Inflation deutlich höher ausfallen.
Neben der Konjunktur erklären auch Indikatoren der finanziellen Stabilität der Unternehmen und Privathaushalte den Insolvenzverlauf. "Die Unternehmen haben ihre Eigenkapitalausstattung seit der Coronadelle 2022 wieder kontinuierlich verbessert und die Privathaushalte ihre Schuldenquote auf moderatem Niveau zurückgeführt. Zusammen mit der besseren Konjunktur erklärt dies den zu erwartenden Rückgang der Insolvenzen“, so Bley weiter. Die durchschnittliche Eigenkapitalquote der Unternehmen ist nach jüngsten Bundesbank-Angaben im Jahr 2024 gegenüber dem Vorjahr von 30,2 Prozent auf 31 Prozent gestiegen. Bei den Privaten Haushalten ging das Schulden-Einkommen-Verhältnis 2024 von 86,5 Prozent auf 83,8 Prozent zurück.