Themen

Genossenschaftlich Zukunft gestalten

Die Welt ist im Wandel. Das gilt nicht nur aufgrund der vielen politischen Verschiebungen etwa in Großbritannien, in den USA oder in einigen osteuropäischen Ländern. Es gilt auch für die immer stärker werdende wirtschaftliche Rolle Chinas, die Europa hinsichtlich eines fairen Wettbewerbs vor einige Herausforderungen stellt. Vor allem aber gilt dies auch im Zuge einer immer weiter fortschreitenden Digitalisierung unserer Gesellschaft. Man könnte hier auch von einer digitalen Revolution sprechen.

Digital ist normal. Erwartungen, Verhaltensweisen, Prozesse haben sich verschoben Die Welt wird neu formatiert. Und das ist spannend.

Auch in der Genossenschaftlichen FinanzGruppe Volksbanken Raiffeisenbanken ersetzen Video-Konferenzen immer öfter zeitintensive Dienstreisen. Kommuniziert wird per Blog, per Intranet und natürlich von überall via Smartphone oder Tablet. Im Zusammenspiel mit den Kundinnen und Kunden wächst und wächst die Bandbreite der digitalen Leistungen. Kontaktloses Zahlen, elektronischer Kontoauszug, digitale Freistellungsaufträge, Kwitt, paydirekt, Scan2Bank, VR-AltersvorsorgeCockpit – die Kreditgenossenschaften bieten ihren Kundinnen und Kunden je nach Wunsch digitales und auch analoges Banking

Konsequent vom Kunden aus

Ganz klar: Die Kundinnen und Kunden mit ihren Ansprüchen und Erwartungen stehen bei allen Überlegungen und Neuerungen konsequent im Mittelpunkt. Sie sollen den Zugangsweg zu ihrer Bank selbst bestimmen können. Sie beschreiten hierbei vermehrt digitale Pfade. In besonderen Fällen bevorzugen sie aber auch den direkten, persönlichen Kontakt in der Filiale. Auch hier überzeugen die Kreditgenossenschaften mit Werten wie Vertrauen ,Nähe und Verbundenheit.

Die Genossenschaftsbanken bieten Banking auf allen Zugangswegen. Ihre Rolle als Allfinanzdienstleister bezieht sich nicht nur auf die Bandbreite der angebotenen Produkte, sondern auch auf die Zugangswege zur Bank. Alle Zugangswege stehen hier gleichwertig auf einer Ebene. Der im Rahmen einer verbundübergreifenden Digitalisierungsoffensive auf den Weg gebrachte Umbau von einer filialzentrierten zu einer omnikanalen Bankengruppe schreitet im Zuge der Digitalisierung konsequent voran. Trotzdem betreiben die Genossenschaftsbanken mit 10.520 Bankstellen und gut 3.800 SB-Stellen das größte Filialangebot aller deutschen Banken.

7,9 Milliarden Transaktionen, 800 Millionen Logins

12 Millionen nutzen das genossenschaftliche Onlinebanking. Zwei Drittel aller Überweisungen werden elektronisch getätigt. Auf das Jahr gerechnet, loggen sich Kunden 756 Millionen Mal in den legitimierten Bereich des Onlinebankings ein und lösen dort 7,9 Milliarden Transaktionen aus.

Mit 800 Millionen Logins hat die VR-BankingApp das klassische Onlinebanking mittlerweile sogar eingeholt. Allein im vergangenen Jahr ist die Zahl der Logins von 300 Millionen um 500 Millionen gestiegen. Die VR-BankingApp hat sich fest im Miteinander zwischen Bank und Kunde etabliert.

Auch bei der girocard hat die Umstellung auf die noch sehr neue Technologie des kontaktlosen Bezahlens hier für einen großen Schub gesorgt. Die Zahl aller Transaktionen bei Genossenschaftsbanken wuchs dadurch auf fast eine Milliarde. Das Gesamtvolumen dieser Transaktionen stieg auf rund 50 Milliarden Euro Volumen an. Das ist ein Zuwachs um 18,5 Prozent. Diese Entwicklungen zeigen: Die kontinuierlichen Investitionen in neue Technologien zahlen sich aus.

Wichtig bleibt in diesem Zusammenhang: Die neuen Möglichkeiten ergänzen das bisherige Angebot – sie lösen es nicht ab. Vielmehr setzen sie neue Maßstäbe.

Mit Veränderungen Schritt halten

Erkennbar ist daran aber auch: Banking ist in beständigem Wandel. Vielleicht so rasant wie noch nie zuvor. Dies gilt es im Blick zu behalten, zu identifizieren sowie dynamisch darauf zu reagieren. Genossenschaftlich Zukunft zu gestalten bedeutet in diesem Zusammenhang Prozesse, Strukturen und Abläufe immer wieder aufs Neue institutsübergreifend zu überdenken und zu definieren. Mit der Erarbeitung einer neuen Strategieagenda gestalten die Kreditgenossenschaften ihre Zukunft unternehmerisch und genossenschaftlich aus eigener Kraft. Die Finanz-Gruppe bestimmt so ihr wirtschaftliches Schicksal selbst. Das hat bei den Genossenschaftsbanken durchaus Tradition. Schon seit ihrer Gründung stellen sie sich selbstbestimmt und immer wieder aufs Neue aktuellen innovativen Herausforderungen.

Gestaltung der gemeinsamen Zukunft

Die genossenschaftliche FinanzGruppe arbeitet gemeinsam instituts- und verbandsübergreifend an der Gestaltung der gemeinsamen Zukunft. Im produktiven Zusammenspiel stellt sie sich den drängenden Fragen der Zeit und schafft dynamische Strukturen. Wie produktiv dies ist, zeigen bereits die vielen neuen digitalen Angebote und Services für Mitglieder und Kunden.

Genossenschaftliche Stärken bewahren

Die Stärke der genossenschaftlichen FinanzGruppe, die sich in den Geschäftszahlen 2018 vielfältig zeigt, resultiert zum einen aus dem guten Zusammenspiel von regionalen Experten mit ihren Produktspezialisten, zum anderen ist es Ergebnis eines geordneten Miteinanders vieler vergleichsweise kleiner, unternehmerisch autonom agierender Einheiten. Dies gilt es zu bewahren und zu stärken.

Die durchschnittliche Bilanzsumme der 875 Volksbanken und Raiffeisenbanken, PSD Banken, Sparda-Banken sowie sonstigen Genossenschaftsbanken überschritt mit 1.069 Millionen Euro erstmals die Grenze von 1 Milliarde Euro, wobei die Spanne von rund 20 Millionen Euro für die kleinste bis zu knapp 46 Milliarden Euro für die größte Genossenschaftsbank reicht. Weit entfernt bleibt dieser Durchschnittswert damit von der EU-seitig aufgestellten Marke von 5 Milliarden Euro, die als eines von mehreren Abgrenzungskriterien für regulatorische Erleichterungen herangezogen wird.

Mehr Proportionalität

Ein Großteil der genossenschaftlichen Institute würde also von den im Zuge der Überarbeitung der Capital Requirements Regulation (CRR) geschaffenen Regulierungserleichterungen (Small Banking Box) profitieren. Damit werden, wie vom BVR gefordert, die richtigen Weichen für mehr Proportionalität in der Bankenregulierung gestellt. Kleinere Institute wie die vielen Genossenschaftsbanken profitieren dadurch direkt. So werden für diese etwa die Offenlegungsanforderungen auf Kernangaben reduziert. Auch die Meldeanforderungen sollen im Zuge dessen verringert und Erleichterungen bei einzelnen Aufsichtskennziffern geschaffen (sNSFR) werden.

Diese Schritte sind überfällig. Denn: Eine gute Bankenregulierung in Europa muss künftig sinnvoller differenzieren als bisher. Gleichwohl ist es noch ein weiter Weg bis zu einer rundum proportionalen Regulierung. Hierbei ist eine konsistente ganzheitliche Betrachtung nötig. Die aktuelle Definition von kleinen, nicht komplexen Instituten mit dem Kriterium der Bilanzsumme von 5 Milliarden Euro führt naturgemäß zu Klippeneffekten. Institute, die diese Schwelle knapp überschreiten, würden gegenüber geringfügig darunter liegenden Instituten über Gebühr belastet.

Mehrere Kategorien von Vorteil

Lohnenswert wäre hier, in Richtungen weiterzudenken, die in anderen Ländern mit dem Kategorisierungsansatz längst Realität sind. So werden etwa in der Schweiz, Japan oder Brasilien Institute in bis zu fünf verschiedene Kategorien unterteilt, an die sich unterschiedliche regulatorische Anforderungen anschließen.

Diesen Ansatz könnte sich auch die EU zu eigen machen, um eine noch proportionalere Betrachtung zu erarbeiten. Schließlich liegen sehr viele der Genossenschaftsbanken so weit unter der Marke von 5 Milliarden Euro, dass für sie durchaus noch weitere Entlastungen denkbar wären. Proportionalität bleibt also ein bei vielen Vorhaben relevantes und zentrales Thema, dessen Berücksichtigung der BVR weiterhin konsequent einfordern wird.

Nachhaltigkeit

Auf EU-Ebene und in Deutschland ist das Thema Nachhaltigkeit und damit verbunden nachhaltige Finanzen (Sustainable Finance) ein sehr bedeutsames Thema, das ganz gewiss auch in den nächsten Jahren eine große Rolle spielen wird.

Die Genossenschaftsbanken in Deutschland sind seit Bestehen nachhaltig orientiert. Nachhaltigkeit ist eines ihrer Wesensmerkmale. Die Kreditgenossenschaften mit ihrer nachhaltigen Struktur und Geschäftsausrichtung stehen insofern auch gern bereit, sich in den von der Bundesregierung geplanten Sustainable-Finance-Beirat mit einzubringen. Vermieden werden sollte allerdings, dass es zusätzlich zu europäischen Vorgaben eine additive oder vorgreifende nationale Regulierung gibt.

Was bedeutet nachhaltig?

Mit der Erarbeitung eines Definitionskatalogs möchte die EU-Kommission wiederum eindeutig festlegen, welche wirtschaftlichen Tätigkeiten als nachhaltig zu betrachten sind. Das ist ein ehrgeiziges Vorhaben, das sehr zu begrüßen ist. Wichtig ist hier eine transparente, einfach anwendbare Taxonomie, die von Anfang an nicht nur ökologische Aspekte, sondern alle ESG-Faktoren (Environmental, Social, Governance) berücksichtigen sollte. Einhergehen sollte mit der neuen Taxonomie aber auch ein Bestandsschutz für Finanzprodukte, die vor ihrer Einführung bereits existierten.

Bei aller Relevanz des Themas nachhaltige Finanzen sollte Bankenregulierung auch künftig risikobasiert erfolgen. Alles andere wäre fahrlässig. Denn: Nachhaltigkeit bedeutet nicht zwingend, dass die Produkte risikoarm sind. Der sogenannte Green-Supporting-Faktor in Form einer Begünstigung von Krediten bei der Eigenkapitalunterlegung erscheint wenig zielführend.

Es ist zweifellos wichtig und zeitgemäß, das Thema Nachhaltigkeit stärker zu fördern und dabei auch die Realwirtschaft als Hauptadressat einzubinden. Mit Blick auf die vorgesehene Regulierung für nachhaltige Finanzanlageprodukte und deren Vermarktung sollten die Zuständigkeiten jedoch klar verteilt sein. So sollte die Bewertung der Anlageprodukte auf Nachhaltigkeit und ihre entsprechende Kennzeichnung immer durch die Hersteller (Emittenten) erfolgen. Kundenberater in den Banken müssen sich auf die vordefinierten Zielmärkte verlassen können, um so ihre Kunden bedarfsorientiert und sachgerecht zu beraten.

Aufwand gering halten

Generell gilt: Bei allen Vorhaben innerhalb der Nachhaltigkeitsinitiative der EU sollte diese hinsichtlich der bürokratischen Anforderungen nicht zu weit gehen und dabei dem Proportionalitätsgrundsatz ausreichend Rechnung tragen. Sonst könnte aus einer guten Idee ganz schnell ein sehr großes Regulierungsprojekt werden, das der Nachhaltigkeitsförderung nicht gerecht wird und zudem kleinere Banken überproportional belastet.

Wirtschaftswachstum, Arbeitsplätze, Innovationskraft und Nachhaltigkeit sollten hier gut miteinander vereinbar bleiben und sich nicht gegenseitig im Weg stehen.

Genossenschaftlich handeln

Nah am Kunden, klar fokussiert, solide wachsend: „So sehen Champions aus“, titelte die Börsen-Zeitung Mitte März im Anschluss an die Jahres-Pressekonferenz des BVR zur Geschäftsentwicklung der Volksbanken und Raiffeisenbanken, Sparda-Banken, PSD Banken und der genossenschaftlichen Spezialinstitute im Jahr 2018. Sie konstatierte für beide dezentral aufgestellte Finanzgruppen, dass diese sich stets um das Geschäft und die Kunden gekümmert haben, während manche private Adresse chronisch mit sich selbst beschäftigt war.

Position der Stärke

Die Geschäftszahlen der Genossenschaftsbanken zeigen, dass Champions im Wettbewerb aus eigener Kraft entstehen, als Folge guter unternehmerischer Entscheidungen. Maßgeblich für den Erfolg der Kreditgenossenschaften ist ihr Geschäftsmodell, das auf einer breiten Mitgliederbasis, vielfältigen Beteiligungsstrukturen und nicht zuletzt auf Werten wie Nähe, Vertrauen und Regionalität basiert.

Der Mensch steht im Mittelpunkt

Auch wenn die Volksbanken und Raiffeisenbanken natürlich längst zahlreiche Services digital anbieten und dieses Angebot stetig erweitern gilt für sie ohne Wenn und Aber: Zwischen Nullen und Einsen muss auch noch der Mensch passen. Der Mensch steht im Mittelpunkt. Das ist kein Lippenbekenntnis. Nicht zuletzt das jährliche große gesellschaftliche Engagement der Institute mit deutschlandweit rund 145 Millionen Euro an freiwilligem finanziellen Engagement (Spenden, Sponsoring) belegt dies.

Genossenschaftsbanken zeigen Präsenz. Das drückt sich auch in ihrer Beratung aus. Diese orientiert sich an den Zielen und Wünschen des Kunden. Nicht einzelne Produkte stehen im Vordergrund eines Beratungsgesprächs, sondern die individuelle Lebenssituation eines jeden Menschen. Deswegen sprechen die Volksbanken und Raiffeisenbanken auch bei ihrer Genossenschaftlichen Beratung von „der Beratung, die erst zuhört und dann berät“. Ein besonderer Fokus wird hier auf das gemeinsame Überlegen, das gemeinsame Planen und die gemeinsame Entwicklung von Strategien für die jeweiligen Ziele und Wünsche gelegt.

Qualität zählt

Kunden vertrauen den Genossenschaftsbanken. Dies belegen die Wachstumszahlen im Kredit- wie auch im Einlagengeschäft. Ebenso führt dies zu einem stetigen Anstieg der Zahl der Mitglieder. Das Geschäft der Genossenschaftsbanken stellt die Mitglieder in den Vordergrund. In den letzten zehn Jahren konnten die Kreditgenossenschaften ihre Mitgliederzahlen um mehr als 2,3 Millionen erhöhen. Nach wie vor gibt es in Deutschland deutlich mehr Mitglieder von Genossenschaftsbanken – 18,6 Millionen – als es Aktionäre oder Aktienfondsbesitzer – 10,1 Millionen (2017) – gibt.

Ganz klar: Die Kreditgenossenschaften in Deutschland arbeiten Hand in Hand, um im Sinne ihrer Kunden und Mitglieder zu wirtschaften. Auch deshalb setzen sie sich vehement für ein rascheres Ende der Nullzinspolitik der EZB ein. Denn dies hat auch immense Auswirkungen auf die Altersvorsorge und mindert auf Dauer die Attraktivität, obwohl die Versorgungsproblematik im Alter eine der zentralen Herausforderungen der deutschen Gesellschaft ist. Diese gilt es zusammen, zielstrebig und entschlossen zu lösen.

Zwischen Nullen und Einsen muss auch noch der Mensch passen.